A Snake of June
von Shinya Tsukamoto

Die Hölle in uns

Kein Kino wirkt so irritierend wie das japanische. Drastische Bilder und Geschichten voll psychologischer Intensität geben uns das Gefühl in eine fremde Parallelwelt zu blicken.


Die verregnete Realität von "A Snake of June" lebt dabei, wie schon Miikes verstörende "Audition", von seiner dunklen Ästhetik: Surrealistische Sequenzen, die vom europäischen Stummfilm der 20er Jahre ebenso beeinflusst scheinen wie von den Bildern Bunuels, bleiben dem Betrachter daher nachhaltig im Gedächtnis.
Grundlage der Bilder ist die Geschichte der Ehe von Rinko (Asuka Kurosawa) und dem älteren Shigehiko (Yuji Koutari). Entfremdung und Vereinzelung gehören zum Alltag des Paares: Ohne jegliche körperliche und geistige Intimität leben die Eheleute gemeinsam in Einsamkeit. Erst durch die Erpressungen eines geheimen Beobachters (Shinya Tsukamoto) gerät Gewohntes ins Wanken: Rinko lebt unter Zwang ihre sexuellen Fantasien aus und Shigehiko entdeckt seine voyeuristischen Wünsche.

Objektive jeglicher Art bestimmen in "A Snake of June" den männlichen Blick auf die Welt und besonders auf das Objekt Frau. Der verantwortliche Mann hinter der Kamera ist Tsukamoto, der auf der fiktiven wie auf der Produktionsebene die schwarzblauen Bilder schoss. Ergänzt wird die visuelle Inszenierung durch das monotone Prasseln des Juniregens, der als direkter Kommentar auf der Tonebene fungiert. Ausgezeichnet wurde Tsukamotos Reise in die menschliche Seele mit dem Spezialpreis der Jury auf der Biennale 2002 in Venedig.

von Nicole Traut


Deutschland-Start: 11. März 2004
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