Reconstruction
von Christoffer Boe

Träumerische Realität

Eigentlich ist doch alles Illusion: Nicht nur das Kino, sondern auch die Liebe. Mit dieser These startet "Reconstruction" seine ideenreiche Analyse. Wie auf dem Reißbrett sehen wir dem Entwurf einer Beziehung zu: Alex (Nikolaj Lie Kaas) trifft eines Abends die schöne Aimee (Maria Bonnevie) in einer Bar und verliebt sich. Für die neue Liebe verlässt er seine Freundin Simone (Maria Bonnevie) und wünscht sich das gleiche von Aimee, die mit dem älteren Schriftsteller August (Krister Henriksson) verheiratet ist.
Doch plötzlich hat sich über Nacht die Realität verändert. Eine Macht hat die Figuren des Spiels verschoben: Jetzt muss Alex beweisen, dass er sein Versprechen "Wenn du mein Traum bist, bin ich Deiner.", ernst gemeint hat. Ob er jedoch nur Augusts Alter ego in seinem neuen Roman ist, bleibt der Vorstellungskraft des Zuschauers überlassen.

Auch wenn Boe Regie-Ikonen wie Carax, Godard und Bergman zu seinen Vorbildern zählt, erinnert sein Einsatz der Doppelgängerin an Lynchs Regiekniff in "Lost Highway" sowie die Reise in den Kopf eines Schriftstellers an Ozons "Swimming Pool". Ganz aktuelle Bezüge lassen sich zum im Mai gestarteten "Vergiss mein nicht!" herstellen: Beide haben das Kunststück vollbracht, eine intelligente Liebesgeschichte fern filmischer Konventionen zu realisieren.

Boes Versuchsanordnung schafft jedoch durch die starke Brechung der Illusion weniger emotionale Nähe. Dass dies kein Nachteil sein muss, sahen auch die Juroren des Film Festival Cannes 2003 so und zeichneten das dänische Debüt mit der goldenen Kamera aus. Auf internationalem Terrain wurde "Reconstruction" durch die Nominierung für den "Auslands-Oscar" 2004 geadelt.

von Nicole Traut

Deutschland-Start: 10. Juni 2004

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