Ausgabe VII/ Wahn-Sinn/ März - Juni 2003    
Matrix Reloaded
von Larry und Andy Wachowski

Kung-Fu im Kaninchenbau

Im zweiten Teil des Überraschungserfolges von 1999, der unter anderem auf zuvor nie gesehenen Special-Effects beruhte, nimmt Neo seinen Kampf gegen die Maschinen in der "Matrix", jener computergenerierten Scheinwelt, wieder auf. Neo hat nun seine Rolle als der Erwählte, der den Kampf gegen die Maschinen beenden kann, akzeptiert und seine Kräfte vervollkommnet. Doch bleiben ihm nur noch 72 Stunden, bevor ein riesiges Heer von Maschinen, Zion, die letzte freie Stadt der Menschen, angreifen wird.

Neo im Kampf mit Agent Smith.

Morpheus, Neo und Trinity, deren Liebe zu Neo weiter gewachsen ist, kehren zurück in die Matrix, um das Orakel zu finden, das ihnen den Weg zum "Schlüsselmacher" weist. Eine Gestalt, die die Tür zum Innersten der Matrix öffnen kann, denn nur hier könnten Neos Fragen beantwortet werden. Auf ihrem Trip durch die Matrix sind ihnen die Maschinen dicht auf den Fersen. Vor allem ein alter Bekannter, Agent Smith, setzt alles daran Neo habhaft zu werden. Am Ziel seiner Reise angekommen, muss Neo schließlich eine Entscheidung treffen, von der das Überleben der Menschheit abhängt...

Die Möglichkeit zur freien Entscheidung bildet eines der zentralen Themen, die - offen oder subtil inszeniert - während des gesamten Filmes auftauchen, und dem Geflecht der Vorherbestimmung, in dem Neo sich befindet, gegenüberstehen.

Rein optisch bieten die Wachowski-Brüder ein Action-Feuerwerk der Superlative: ästhetisch choreografierte Kung-Fu-Szenen, Schusswechsel, mit der aus dem ersten Teil bekannten, damals revolutionären Bullet-Time-Technik, sowie in einem Semi-Finale-Grande eine viertelstündige Verfolgungsjagd auf einem eigens für den Film gebauten Highway, bei der nicht viel Zeit zum Luftholen bleibt.

Doch neben den Kampfszenen entfaltet "Matrix Reloaded" seine eigentlichen Reize durch eine ebenso komplexe Struktur wie der erste Teil: In den Dialogen, wie auch in den Visualisierungen, lassen sich eine Vielzahl philosophischer, religiöser und mythologischer Anspielungen und Motive finden, die unzählige Interpretationsmöglichkeiten bieten. Immer wieder zieht sich als roter Faden das Bild der Symbiose von Mensch und Maschine durch den Film. So erhalten riesige mechanische Konstrukte, die Stadt Zion am Leben und das Programm Agent Smith wird von äußerst menschlichen Emotionen wie Hass und Rachsucht angetrieben.

Dabei versucht der Film jedoch nicht, zeitlose Fragen zu beantworten, sondern begnügt sich damit, dem Zuschauer Anstöße zur eigenen Deutungen zu geben. Eine wahre Fundgrube für all diejenigen also, die schon die Gedankenlabyrinthe des ersten Teils mochten. Wem dies zu viel ist, der kann sich immer noch zurücklehnen und einfach nur einen absolut sehenswerten Action-Thriller genießen.

von Claus Becher


Deutschland-Start: 22. Mai 2003






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