Ausgabe VII: Wahn-Sinn    
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
von Peter Jackson

Ein imposanter Abschied

Ganze drei Stunden und 21 Minuten dürfen wir ab Mitte Dezember wieder Mittelerde betreten. Und wie schon im ersten und zweiten Teil wird der Kinobesucher sich nicht der Sogwirkung der Leinwand entziehen können. Denn das Ende der Trilogie kommt mit solch emotionaler und ästhetischer Bildgewalt daher, dass man eigentlich nicht akzeptieren möchte, dass dies schon das endgültige Aus sein muss. (Fans wissen: Es gibt da ja immer noch Tolkiens "Kleinen Hobbit"! Aber vielleicht würde, eine weitere Verfilmung auch nur zur Verwässerung des wohl größten Epos der Filmgeschichte beitragen.)

Die Gefährten ziehen in die Schlacht.

Regisseur Peter Jackson erzählt im dritten Teil die Geschichte von Aragon, der zurückkehrt um den Thron von Minas Tirith zu besteigen. Aber vor dem endgültigen Sieg gegen Sauron stehen den Gefährten wieder einige blutige Schlachten bevor: Kleine, wie die zwischen Sam und der Riesenspinne Kankra und imposante, wie die letzte große Schlacht vor den Toren Gondors. Wie schon in den ersten beiden Teilen, lässt Jackson dem Zuschauer kaum Zeit zum Luft holen, so intensiv sind die Momente größter Verzweiflung beim Ringträger Frodo, die Landschaftsbilder Neuseelands und die märchenhafte Ästhetik der Elben- und Hobbitwelt.

Trotz eines unglaublichen Aufwandes an Special Effects verliert sich die Leistung der Schauspieler nicht: Sam (Sean Austin) wird zum geheimen Helden des Hobbitgespanns und schafft es, Frodo, alias Elijah Wood, an Präsens zu überstrahlen. Auch die Tragödie um Truchsess Denethor (John Noble) und seine Söhne Boromir (Sean Bean) und Faramir (David Wenham) vermag den Zuschauer wie ein shakespearesches Drama zu fesseln: Verbittert durch den Tod des Lieblingssohns Boromir schickt der Vater seinen letzten Sohn in den sicheren Tod. Als dieser schwerverletzt zurückkehrt greift er nicht zu Hilfsmaßnahmen, sondern bereitet die rituelle gemeinsame Verbrennung vor.

Sam (Sean Austin) verstoßen von Frodo.

Bei allem Lob, gibt es jedoch auch ein paar Schwachstellen zu bemängeln: Manchem Zuschauer mag der Pathos an einigen Stellen zu groß sein und genau aus diesem Grund auch das Ende zeitweise zu vorhersehbar. Schade ist zudem, dass der großartige Christopher Lee, alias Saruman, dem Schnitt zu Opfer gefallen ist. Ein Wiedersehen mit dem weißen Zauberer wird es dann allerdings auf der Extended-DVD-Version geben. Ein kleiner Trost, der dem schon 81jährigen Schauspieler aber wohl nicht genügen wird!

von Nicole Traut


Deutschland-Start: 17. Dezember 2003






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